„Betrug“ im Affiliate Marketing und kein Ende
Nach dem kontrovers diskutierten Artikel in der letzten Internet World Business (IWB) erscheint in der aktuellen Ausgabe die Fortsetzung. Wer jedoch aufgrund der Headline „Affiliate-Betrug – die Reaktionen“ (vollständiger Artikel auf Seite 3 der Printausgabe) erwartet, dass nun auch Gegenstimmen in ausreichendem Maß zu Wort kommen oder eine sachliche Diskussion stattfindet, der sieht sich leider getäuscht. Der Großteil des Artikels sucht die bereits in der letzten Ausgabe einseitig aufgestellten Thesen zu untermauern.
Zwar hat Eugen von der Agentur Iuventa Recht mit seiner Feststellung, dass durch Cookie-Dropping vielfach ehrlich gesetzte Cookies überschrieben werden und damit möglicherweise Affiliates, die über SEO, Content oder auch SEM eine Werbeleistung erbracht haben um ihren Verdienst gebracht werden. Allerdings sehe ich die Auswirkungen weniger dramatisch. Besagt doch eine zanox-Studie im Bereich Retail und Shopping, dass bereits 77 Prozent der Sales innerhalb der Session getätigt werden, weitere 5 Prozent innerhalb eines Tages. Dies bedeutet, dass wenigstens 80 Prozent der Sales denjenigen Affiliates zugerechnet werden können, die auch eine Werbeleistung erbracht haben und somit zu Recht vergütet werden.
Auch die Feststellung des anonymen Informanten der IWB, dass sog. Cookie-Spreader billig Restplätze bei Vermarktern einkaufen und den User per Postview durch Einblendung des Werbemittels mit den kleinen Plätzchen beglücken ist im Ansatz sicher nicht unkorrekt. Hier jedoch die Schuld für diese Praxis bei Netzwerken und Agenturen suchen zu wollen halte ich für verfehlt. So wird diese Praxis doch beispielsweise im Bereich Versicherungen/Finanzen oder auch im Mobilfunk angewandt, da dort aufgrund des hohen Customer-Lifetime-Values vergleichsweise hohe Provisionen gezahlt werden. Solange der Merchant sich mit der Anwendung von Postview einverstanden erklärt und sein Interesse primär der Generierung neuer Kunden gilt haben sich sowohl Netzwerke als auch Agenturen nach diesem Wunsch zu richten.
Für wirklich unglücklich halte ich den journalistischen Stil der IWB erneut das Affiliate Marketing in ein schlechtes Licht rücken zu wollen und sich dabei auf eine anonyme Quelle zu berufen. Zumal besonders die Netzwerke überhaupt nicht die Gelegenheit erhalten sich zu der Thematik zu äußern. Vielleicht hätte man sich einmal fragen sollen, was ein anonymer Informant aus Vermarkterkreisen mit derlei Statements bezweckt. Die Annahme, dass das zugrundeliegende Motiv in einem gebremsten Wachstum des Online-Werbemarktes und damit einsetzenden Verteilungskämpfen zu suchen ist, scheint mir nicht allzu weit hergeholt.
Weitere Meinungen zum Thema bei Martins Affiliate-Tipps, Dennis, Bungee-Inga, Dennis’ Webanalyse-Blog und dem Freund der Diskussionskultur Jens.







