Das Fundstück des Monats
Im ohnehin schon ereignisreichen Leben eines jungen Werbetreibenden begegne ich immer wieder Websites, welche die verschiedensten Gefühle in mir hervorrufen – von bewundernder Freude hin zu absoluter Gleichgültigkeit, von ausgelassener Heiterkeit bis zu blankem Entsetzen. Aus diesem Grund habe ich mich entschlossen Seiten, die einen besonders bleibenden Eindruck hinterlassen haben, in der neuen Rubrik „Fundstück des Monats“ zu würdigen.
Eröffnet wird die Rubrik mit der Seite zum bevorstehenden Crash – krisenvorsorge.com.
Ein befreundeter Fondsberater hat mir den Link geschickt, garniert mit den Worten: „Jetzt weißt Du was Du zu tun hast, befolge alle Tipps umgehend“. Da wir uns erst kürzlich über Altersvorsorge unterhalten haben, musste ich mir die Seite natürlich anschauen, in der Annahme relevante Informationen über die Absicherung meines in ferner Zukunft liegenden Lebensabends zu erhalten.
Was dürfen meine Augen stattdessen entdecken? Nicht einfach nur profane Anlagemöglichkeiten, sondern die Mutter aller Seiten zur aktuellen Finanzkrise! Lebensnah und anschaulich gibt der Betreiber der Homepage Tipps zum Überleben in unserer krisengebeutelten Welt. So habe ich dort nicht nur die Möglichkeit mein Geld in Gold, anstatt in unsicheren Fonds anzulegen, es gibt neben begleitender Literatur höchstqualifizierter Autoren noch weitaus mehr zu entdecken.
So lernen wir doch die Basics des Überlebens im Krisenfall, erhalten Anleitungen zum Nüsschen sammeln und die 8 Erfolgsregeln des Seitenbetreibers, der zugleich gefeierter Erfolgsautor ist. Meine Favoriten sind allerdings die bestellbare Armbrust und die Kampfaxt, denn persönliche Sicherheit ist im Krisenfall wichtig.
Beeindruckt vom selbstlosen Einsatz des Seitenbetreibers habe ich es mir nicht nehmen lassen, ihm meinen Dank in folgender Mail zum Ausdruck zu bringen:
Sehr geehrter Herr xyz,
ich finde es wirklich bewundernswert, dass es in Zeiten der allgegenwärtigen Verblendung der Menschheit durch Staat und werbetreibende Wirtschaft noch einen Menschen gibt, der das System in seinen negativen Auswirkungen durchschaut und uns praxisnahe Tipps zum Überleben gibt.
Allerdings nehme ich es mit einiger Verwunderung zur Kenntnis, da Sie Ihren Eindrücken aus dem von Ihnen empfohlenen Buch “Das Silber-Komplott”, dass es sich durch die Vermengung unterschiedlicher Geldbegriffe bei unserem Geld letztlich um Konfettigeld handelt, nicht selbst Folge leisten. Vielmehr versuchen Sie durch Ihren Shop, in dem Sie überlebenswichtige Accessoires & Tipps in gebundener Form feilbieten, sich eben dieses Falschgeld anzueignen.
Daher möchte ich Sie einladen, dem Beispiel meines Vereins “Zurück zum Glück - Durchblickende Selbstversorger im Einklang mit der Natur e.V.” zu folgen und sich unserem Reisanbauprojekt nach indianischen Methoden an den großen Seen anzuschließen.
Herzlichst
Michael Gemeiner
P.S. Entdecken Sie die zarte Ironie meiner Worte.
Eine Antwort steht noch aus…
Update vom 04.12.2008: Eine Antwort steht zwar immer noch aus, stattdessen habe ich nun den Newsletter von Herrn xyz erhalten. Ohne diesen bestellt zu haben. Ohne die Möglichkeit diesen Newsletter per Click abzubestellen. Also schrieb ich dem feinen Meister der Krise folgende Worte:
Sehr geehrter Herr xyz,
nicht im Geringsten kann ich mir erklären wie Sie auf die Idee kommen, dass ich auch nur den zartesten Hauch von Interesse an Ihrem Newsletter verspüre. Wenn Sie in den Tiefen Ihres Gedächtnisses mit Ihrer feilgebotenen Armbrust auf die Pirsch gehen, so werden Sie vielleicht die Erinnerung daran erlegen, dass ich Ihnen eine Mail bezgl. Ihrer Homepage krisenvorsorge.com habe zukommen lassen. Sicher jedoch habe ich niemals Ihren Newsletter angefordert, eher noch würde ich eines Ihrer Bücher lesen.
Also verzichten Sie künftig bitte darauf mir weitere Machwerke aus Ihrer Feder zuzusenden und finden sich damit ab, dass ich lieber sehenden Auges auf meiner Stute “Ignorantia” in die Krise reite, als Ihrer Panikmache zu verfallen.
Mit vorbildlicher Zurückhaltung
Michael Gemeiner








Karsten Windfelder sagt
am 26. Oktober 2008 @ 19:26
Ich kenne die Website schon länger und schätze die regelmäßigen Veröffentlichungen von Herrn Spannbauer. Denke mal, dass er das Konfettigeld schlauerweise in richtiges Geld tauscht
Gruß
Karsten
Michael sagt
am 26. Oktober 2008 @ 20:11
Denke ich auch.
Für meinen Teil fand ich den Widerspruch zwischen Systemkritik und “zurück zur Natur” auf der einen Seite und der kommerziellen Nutzung daraus entstehener möglicher Ängste auf der anderen Seite bemerkenswert.
Johannes sagt
am 27. Oktober 2008 @ 15:26
Na das ist doch endlich einmal ein wirklicher Freund des Menschen! Mit Streitaxt und Nüsschen bewaffnet auf der Jagd nach dem… nun ja, nach was denn eigentlich? Der Erhaltung der eigenen Existenz? Der Rettung der Spezies? Dieses könnte bei erfolgreicher Verteidigung des eigenen Grundstücks und oder der eigenen Familie (wie angeraten) zu gewissen Komplikationen fürhren, jenes wäre wohl die Praktizierung genau der Lebensart die überhaupt erst zur Weltwirtschaftskrise geführt hat; bloß halt “im Kleinen”.
Egal, hauptsache Kriesenvorsorge in Kriesenvor- und nachzeiten!
Ich bin mal gespannt, ob der Kriesenmeister noch antworten wird